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Du willst als Social Media Manager arbeiten? Diese Dinge solltest du vorher wissen

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Mr Facebook„, „Facebook-Mensch“ oder „Social-Media-Typ“ – die Art und Weise, wie Außenstehende mich beziehungsweise meinen Job umschreiben, findet immer neue Auswüchse. Fast schon wie ein Alien scheine ich mit Social Media auf jeden zu wirken, die den Begriff entweder von ihrer pubertierenden Tochter oder den RTL2-News kennen. Mal ganz abgesehen davon, dass Social Media nur ein Teilbereich meines Jobs ist.

Trotz dessen finden sich immer wieder Leute, die sehr gerne das machen möchten, was ich mache: Lustige Bildchen posten, einen frechen Satz dazu klatschen, geile Inhalte kuratieren. Oder ist es etwas mehr als das?

Bevor ihr also den nächsten Traumjob in einer Hipster-Agentur als „Community Manager„, „Social Media Marketer“ oder „Digital Media Specialist“ antretet, hier einige Ratschläge von Baba Tolle.

Niemand wird verstehen, dass auch Arbeit dahinter steckt.

Jeder sieht die Postings. Die kuratierten Inhalte. Die kurzen Headlines. „Man, deinen Job hätte ich gern.“ Was nur die Wenigsten sehen, ist die Arbeit dahinter: Dass es manchmal Stunden dauert, bis du über etwas stolperst, das dir gefällt. Dass du dir an einer Headline ewig den Kopf zerbrichst. Dass du dich grün und blau ärgerst, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es klappt. Dass das Internet Freitag um 18 Uhr nun mal keinen Feierabend macht und im Casual Outfit in die nächste Szene-Bar spaziert. Das Internet kann es sich nicht leisten, zu schlafen. Und du eigentlich auch nicht.

Kritik kommt schnell. Kritik kommt hart.

Egal ob du Fehler machst oder nicht: Kritik wird so sicher kommen wie die GEZ nach deiner Ummeldung beim Amt. Irgendwann hast du die kritische Masse erreicht und es kommen plötzlich Trolle aus ihren Löchern, die – ganz egal was du schreibst – einen Grund finden, dir in den Kaffee zu spucken. Credo? Don’t give a fuck.

Jeder ist ein Guru. Nicht.

Ich arbeite seit ein paar Jahren im Bereich Social Media und leite aktuell die größte Facebook-Community aller Wirtschaftsmagazine in Deutschland. Macht mich das zum Guru? Nein. Ich bin vielleicht gut in dem was ich mache – allwissend bin ich deshalb noch lange nicht. Ich verschätze mich bei Postings, mache noch immer Fehler und lande manchmal phänomenal erfolgreiche Coups – ohne immer ein System dahinter zu haben. Guess what? Ich bin nicht der Einzige. Also tu‘ dir und mir einen Gefallen – stay humble.

Du wirst paranoid.

Einen Post abgesetzt – jetzt heißt es abwarten. Damit gemeint ist: Alle zwei Minuten den Post auf Reaktionen zu checken. Ab einer gewissen Größe kannst du innerhalb der ersten drei Minuten sagen, ob der Post ein Burner wird oder nicht. Hilft nichts, denn du aktualisierst die Zahlen immer weiter und weiter. Problem: Ich checke Performances im Bett, morgens um drei im Club, im Urlaub. Bitte helft mir.

Deine Freunde werden dir nie wieder etwas Neues zeigen. Nie wieder.

Ernsthaft: Meine Freunde verfluchen mich schon, wenn sie mit dem x-ten Katzenvideo, dem neuesten Meme oder dem aktuellsten Viral-Hit um die Ecke kommen. „Kenn ich“ ist leider in neun von zehn Fällen meine Standard-Antwort. Klassische Berufskrankheit, wenn man jeden Tag zu einem nicht unbedeutenden Anteil auf Facebook und diversen Blogs verbringt. Mittlerweile tue ich ab und an so, als würde ich etwas nicht kennen – dann sind alle wieder glücklich.

Fazit? Wie jeder andere Job: Höhen und Tiefen. Mag ich meinen Job? Abgesehen davon, dass auf Facebook rumchillen nur ein kleiner Teil meiner Beschäftigung ist (ehrlich, wenn ihr wüsstet, woran ich gerade sitze), kann ich mich wirklich nicht beklagen – letzten Endes macht der Job ja auch großen Spaß, sonst würde ich mich nicht so reinhängen. Aber ein Firmenwagen wäre noch nett. Und Bonus.

Wenn ihr also die Chance auf einen Social-Media-Job habt: go for it. Bei Fragen, Anregungen oder Hass-Bekundungen schreibt mir gerne eine Mail.

Foto: © SplitShire