Personal

UND JETZT? DREI FRAGEN, DIE SICH JEDER ABSOLVENT STELLEN SOLLTE

FullSizeRender

FullSizeRender

Zack, das war’s: Die letzten vier Jahre meines Lebens verliefen im Zeitraffer – Bachelor fing an, man fand viele neue Freunde, verlor viele der neuen Freunde wieder weil die meisten ziemliche F*cker sind, geiles Auslandssemester auf Hawai’i, nicht so geiles Auslandssemester in Groningen, Erkenntnis, dass Statistik ein Kack-Fach ist, mich in jemand verguckt, auf unangenehme Weise wieder gemerkt, warum Mama die beste Frau im Universum ist, Bachelorarbeit angefangen, 16 verrückte Tage auf Weltreise, Bachelorarbeit-Depressionen erlitten, Bachelorarbeit abgegeben. Zack. Abschluss. Internationaler Betriebswirt. Yas.

Jetzt sitze ich etwa 40 Stunden die Woche am Schreibtisch mit Blick auf Siegessäule und Bundestag und mache einen Job, den ich ziemlich, ziemlich geil finde. Es soll ja auch Sonnentage im Leben geben. Doch ich kam da nicht ohne Weiteres hin – ich durchlebte die selbe existenzielle Krise, die ein angehender Absolvent erleidet, wenn es sich um die Frage dreht, was man nun eigentlich aus seinem Leben machen will. Deshalb ein kleiner, simpler, aber doch hilfreicher Guide von mir. Für den Fall der Fälle.

 

1) Bin ich bereit für die Arbeitswelt?

Viele Absolventen realisieren den Ernst der Stunde nicht: Ist man einmal drin, kommt man nicht mehr so schnell wieder raus. Monate lang um die Welt reisen, in der Woche mal die Seele baumeln lassen oder einfach mal eigenen Hobbys und Projekten nachgehen – das kann durch einen Vollzeitjob schnell als Wunschtraum verpuffen. Was offensichtlich keine neue Erkenntnis ist, wird jedoch gerne mal unter den Tisch gekehrt. Zwischendurch mal den Absprung zu wagen oder ein Sabbatical einzulegen, schaffen nicht viele Arbeitnehmer – das Gefühl, sich seiner Verantwortung nicht entziehen oder sie nicht übertragen zu können, kann vereinnahmend sein. Noch nicht ready? Dann ab um die Welt, Praktikum oder Master ran hängen. Damit der Start in die Arbeitswelt dann auch ein gut vorbereiteter Sprintstart werden soll.

 

2) Wo sehe ich mich in fünf Jahren?

Simpel, ich weiß. Denkt man über diese Frage jedoch etwas länger nach als bei einem Espresso oder Nuss-Nougat-Croissant, stellt sich ziemlich schnell heraus, dass die Antwort auf diese Frage einen ganzen Abend ruinieren kann. Was wollen wir eigentlich? Sehen wir uns in fünf Jahren in einer steilen Aufwärtskarriere mit Jetsetter-Allüren? Dann ab in den 70-Stunden-Consultant-Job. Oder in fünf Jahren mit Volvo, Ehefrau und erstem Kind unterwegs? Dann sollte der Berufswunsch diesen Vorstellungen angepasst werden, denn: Wer einmal anfängt, eine steile, zeitlich und seelisch anspruchsvolle Karriere hinzulegen, wird nur sehr schwer wieder loslassen. Chance favors the prepared mind.

 

3) Leidenschaft und Verantwortung – wo liegt mein persönlicher Kompromiss?

Wäre das Leben ein Wunschkonzert und hätte ich eine eierlegende Wollmilchsau, die mich an guten wie schlechten Tagen über die Runden bringt, würde ich diese Zeilen gerade vermutlich am Strand von Bali tippen, mit ner Zigarre im Maul und nem Mojito im Sand neben mir eingegraben. Guess what, das Leben ist kein Gratis-Lauf durch Toys“R“Us und nachweislich kommen nur die Harten in den Garten. Also findet euren eigenen, persönlichen Kompromiss: Was liebt ihr und würdet ihr gerne für den Rest eures Lebens tun? So. Könnt ihr damit genügend Geld verdienen? Ja? Herzlichen Glückwunsch. Nein? Dann sucht euch etwas, das eurer Leidenschaft zumindest entgegen kommt und euch gleichzeitig kreditwürdig macht.