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I SAW THE DEVIL – DRAKE x WEEKND x KANYE WEST LIVE IN BERLIN

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Was ist da gestern nur passiert? Noch immer bin ich total geflashed vom gestrigen Abend – das war einfach zu viel des Guten. Seit Monaten freuten wir uns auf das Konzert von Drake – wir sind Fans des Kanadiers seit der ersten Stunde und erinnern uns heute noch gerne an sein erstes Konzert in Berlin zurück. Damals kam nur ein Bruchteil der Leute, die gestern in die O2 World stürmten und das Album Nothing Was The Same vorher mehr als wahrscheinlich auf Dauerschleife gehört hatten. Es war wie ein einziges großes Klassentreffen: Man sah dutzende bekannte Gesichter in der Menschenmenge, zu viele Bekanntschaften, die aus dem selben Grund kamen: Hier war was los.

Zugegeben, das aktuelle Album von Drake ist nicht wirklich mein Geschmack. Ehrlich gesagt war ich sogar etwas enttäuscht: Mir haben Granaten wie auf den letzten Tapes gefehlt, Over, Find Your Love, Best I Ever Had und Fear sind nur einige der Vielzahl von Tracks, die Drake überhaupt erst zu dem Drake gemacht haben, der bei uns damals in der WG auf Dauerschleife lief. Davon hat NWTS leider sehr wenig zu bieten: Zu unpersönlich, zu dicke Eier, zu sehr out of space ist das Album im Vergleich zu früheren Werken. Dennoch: Der Tradition halber mussten wir uns auch dieses Konzert geben.

Wir wurden nicht enttäuscht: Erst einmal gab es einen ziemlich guten Weeknd als Voract – der soulige Sänger mit Michael-Jackson-Allüren in der Stimme gab ein sehr ruhiges und melancholisches Stelldichein. The Weeknd ist einfach mal ein krasser Gegensatz zu Drake: zerbrechliche Stimme, wenig Badaboombang, dafür viel Die-Welt-ist-kacke-aber-lass-sie-gemeinsam-kacke-finden-Stimmung. Klasse.

Als Weeknd die Bühne wieder verließ und für die Zwischenzeit bis zum Hauptact die Lichter wieder angingen, bemerkten wir, wie dramatisch sich die Fanbase über die Jahre verändert hat: Das Publikum war total durchmischt – im Gegensatz zu den ersten Gigs, als man noch deutlich mehr Hip Hop im Publikum riechen konnte. Die Hypebeasts sind in der Relation geschrumpft, die Trittbrettfahrer, Q-Dorf-Gänger und David-Guetta-Fans dagegen sind (subjektiv gesehen) deutlich mehr geworden. Aber was kann man auch anderes erwarten – Drake ist mittlerweile im Mainstream angekommen und ein Großteil des Publikums verstummte bei den alten Tracks – zu denen wir wiederum total durchdrehten.

Zurück zu Drake: Das Intro kam gewohnt episch – minimalistisches Bühnenbild, All-White-Drake, flackernde Lichter, erschütternder Bass. Mit Tuscan Leather fing das Konzert an, mit einem nahtlosen Übergang in Headlines ging es weiter. YES! Das war der Drake, den wir lieben mögen:

In dem Tempo ging der Gig weiter: Eine Wechselwirkung aus alten und neuen Tracks zog sich über die nächsten zwei Stunden – zwischendurch kam Weeknd wieder auf die Bühne, um den gemeinsamen Track Crew Love zu performen:

Nach etwa anderthalb Stunden sank die Brüstung über unseren Köpfen herab, um wenige Sekunden später Drake über unseren Köpfen herumhüpfen zu sehen. Ich hatte mir ausgemalt, wie witzig es gewesen wäre, wenn jemand ein Lasso mitgebracht hätte – also falls ihr das lest und ihr noch auf eines der Konzerte geht: Ihr habt jetzt eine Inspiration.

Dann kam das Übliche, das Drake schon auf den letzten beiden Tourneen machte. Er knöpfte sich das Publikum vor und verbrachte vielleicht eine viertel Stunde damit, einzelnen Fans quer durch den Saal zu verkünden, dass er sie sieht und wahrnimmt. Klingt, wenn ich das jetzt beschreibe zwar bestimmt lame, aber wer dabei war, weiß: Die Fans drehen durch, ziehen ihre Shirts aus, halten ihre Sneaker hoch und machen jeden noch so erdenklichen Quark, um in der Gunst der Sekunde von Drizzy wahrgenommen zu werden.

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Bis zu dem Zeitpunkt dachte ich mir: Okay, nicht mein Album, dennoch, geiles Konzert. Bis ein Beat losging, der mir sehr vertraut ist, aber nichts mit Drake zu tun hat… Es war Black Skinhead von the one and only Kanye West. Moment mal – warum spielt er den Song jetzt? Gibt es jetzt irgend einen halbherzigen Remix dazu?

Plötzlich erhob sich aus der Mitte der Bühne eine Heberampe: Jemand erhob sich aus der Dunkelheit in die Mitte des Geschehens und es wurde für einen kurzen Augenblick still um uns: Das Publikum ahnte es, doch keiner vermochte es sich vorzustellen. Das da vor uns… das war KANYE MOTHERF*CKIN‘ WEST!

Die Halle bebte los und ich wir drehten durch – das kann doch nicht sein!! Kanye ist allen Ernstes als Überraschungsact nach Berlin gekommen?!! Wir konnten unser Glück nicht fassen und vergaßen alles, einfach alles um uns rum: Ich glaube, in den vier Minuten, in denen Kanye auf der Bühne war, verpulverte ich fünfzig Prozent meiner Energie an dem Abend. Es war einfach nicht real:

Was war hier los? Wo war ich? Wer zur Hölle ist Drake? Wir reden hier von Yeezus! Und ich sage euch: In den Sekunden, in denen er die Bühne beherrschte, war Drake zur Nebenrolle demontiert worden. 2 Stunden performte der Kanadier, nur um letzten Endes im Schatten von Yeezy zu verblassen. Die Masse war nicht zu halten.

Nach diesem Break wurde alles andere fast schon zur Nebensache: Weniger Minuten später performte Drake den letzten Track und ging mit Started From The Bottom und tosendem Applaus von der Bühne. Was für eine Nacht.