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ICH TRAUERE UM WEN ICH WILL

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Der tragische Tod des Schauspielers Paul Walker am Samstagabend eroberte die sozialen Netzwerke binnen weniger Stunden. Überall las man vom Unfalltod des 40-jährigen Schauspielers, der durch die „Fast & Furious“-Filmreihe zu einer Ikone unserer Generation wurde. Frauenschwarm, Freund, Autoliebhaber. Und Vater.

Das war die erste Welle. Die zweite Welle war die Flut von Posts und Debatten, warum die Welt beim Tod eines Stars in Trauer verfällt, wo doch jeden Tag Kinder in der dritten Welt sterben. Vereinfacht gesagt.

Diese Fragestellung ist schon fast Tradition geworden – bei jedem Tod einer Persönlichkeit aus der Pop-Kultur erscheint dieses Statement auf der Timeline so sicher wie das Amen in der Kirche. Doch: Die Frage ist berechtigt. Was veranlasst uns dazu, beim Ableben eines Celebrities betroffen und bestürzt zu sein, während er oder sie ein menschliches Wesen ist wie jedes andere auch? Ob Kaiser oder Bettler – am Ende beißen wir alle ins Gras.

Ich habe lange über diese Frage nachgedacht. Schon damals beim Ableben von Whitney Houston schwirrte mir diese Problematik durch den Verstand – ich suchte keine Ausrede, um mein Gewissen zu beruhigen. Ich suchte lediglich nach einer Antwort auf dieses Phänomen, denn offensichtlich bin ich nicht der einzige Mensch, den das beschäftigt. Ich denke, ich habe eine Antwort gefunden. Für mich zumindest.

Bekannte Persönlichkeiten prägen uns. Damit meine ich nicht den Promiklatsch auf TMZ oder bei taff, ich meine die Werke, mit denen Künstler ihre Talente unter Beweis stellen: Seien es Filme, sei es Musik oder Kunst in jedem anderen Sinne. Wir alle sind das Produkt unserer Umwelt und Kultur ist nun einmal ein bedeutender Teil davon. Wir fühlen uns verbunden zu diesen Menschen. Kunst und Kultur zielen auf unsere Emotionen ab – wir fiebern bei Hunger Games mit, dass Katniss wieder einmal überlebt und rufen bei Musik von Drake am liebsten unsere Ex an. Wir bauen Beziehungen zu diesen Menschen auf, ohne es zu realisieren. Ohne sie wirklich zu kennen. Diese emotionalen Bindungen, die wir zu diesen Menschen aufbauen, veranlassen uns auch zu Trauer und Betroffenheit, wenn besagte Menschen nun einmal aus dem Leben gerissen werden.

Paul Walker war eine solche Person, zu der sich viele junge Menschen verbunden fühlten. Zugegeben – der einzige gehaltvolle Streifen aus dieser Reihe war der erste Teil von Fast & Furious. Wie oft habe ich mich über die unrealistischen Actionszenen lustig gemacht? Doch egal ob ein Werk mit Tiefgang oder Streifen mit zu viel Adrenalin – Fast & Furious ist eine Filmreihe, die unsere (männliche) Generation geprägt hat. Wir saßen bei jedem Streifen mindestens zu fünft im Kino und redeten noch Stunden danach über die untragbar aufgemotzten Karossen und die imposanten Bilder. Und das über Jahre hinweg. Vergessen darf man natürlich nicht seine anderen Leistungen als Schauspieler – doch zweifellos ist das Epos um die schnellen Rennen zwischen Gut und Böse sein Vermächtnis.

Rest in peace, Paul.

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