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BOUNDARIES – DIE GRENZEN IN MEINEM KOPF

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Vergangenes Wochenende verschlug es mich mit einem guten Freund nach Mailand – er besuchte die größte Gastronomie-Messe Europas, die Host 2013 und bat mich, ihn zu begleiten – der Unterhaltung wegen. Ich ließ mich breitschlagen und stimmte letzten Endes zu: Also flogen wir vergangenen Freitag mit Verspätung um 21:30 Richtung Italien.

Insgeheim glaube ich, dass ich dem Trip nur deshalb zugestimmt habe, weil ich es nicht mehr aushalte: Nach einer Weile wird Berlin für mich mehr und mehr zum Freiluftgefängnis. Die Mentalität der Berliner ist zu einem nicht unerheblichen Teil vor allem eins: zum Kotzen. Die Stadt ist hässlich, der Verkehr eine Katastrophe, das Wetter beschissen. Ja, ich weiß: Ich meckere gerade zu sehr rum und es könnte mir bzw. uns wesentlich schlechter gehen. Stimmt schon. Doch warum sich mit dem Status Quo abfinden?

Berlin ist meine Heimat. Meine Hassliebe. Mein Dr. Jekyll & Mr. Hyde. Ich bin hier groß geworden und habe all die schönen und schlechten Seiten des Erwachsenwerdens hier in dieser Stadt erlebt. Meine Familie sitzt hier und ein Großteil meiner Freunde ist, wie ich, in dieser Stadt verankert.

Nichtsdestotrotz bemerke ich seit meiner Rückkehr nach Deutschland eines: Der Alltag saugt mich aus. Tag für Tag die selben Ampeln, die niemals grün werden. Die selben drei Locations, die man aus Bequemlichkeit nie durch andere ersetzt. Die selben Probleme, die in ihrer Menge vielleicht nicht wachsen, sich aber wie Zellen zerteilen und von Woche zu Woche unübersichtlicher werden. Puh.

Doch jedes Mal, wenn ich reise, bemerke ich: Diese Dinge, die mich nerven und mir mein Hirn spalten, kommen vom selben Ort – meinem Hirn. Genauer gesagt meinen Gedanken. Diese Barrieren, die ich um mich rum sehe, sind Barrieren, die ich mir selbst auferlege – Grenzen, die ich als Entschuldigung dafür nutze, nicht größeres in meinem Leben zu leisten. Weil die Gesellschaft mir sagt, einen bestimmten, mir vorgefertigten Weg zu gehen. Die Freiheit, auswählen zu können, was immer wir in unserem Leben tun, ist keine wirkliche Freiheit – ohne es zu realisieren, unterdrücken wir Kreativität, Wagemut und Willen zur Veränderung – sowohl in uns selbst als auch in unserer Umgebung. Jeder von uns kennt das Gefühl, eine gute Idee zu haben, sie aber nicht umzusetzen – mangels Unterstützung und auch durch die Angst, sein gepflogenes, gemütliches Leben um eine Portion Risiko und Einsatzbereitschaft zu bereichern.

Was wäre passiert (bzw. nicht passiert), wären Menschen den gesellschaftlich prädestinierten Weg gegangen? Carl Benz hätte niemals das erste Auto gebaut. Henry Ford hätte niemals die Industrie des vergangenen Jahrhunderts revolutioniert. Steve Jobs hätte niemals Apple gegründet.

Versteht mich nicht falsch – Ziel meiner Worte ist nicht, sich mit großen Influencern zu vergleichen. Was ich sagen möchte ist: Die Grenzen, die wir sehen – sie existieren in unseren Köpfen. Für fast jedes Problem gibt es eine Lösung – wir sind nur nicht in der Lage, außerhalb der Box zu denken und neue oder kaum erforschte Wege zu gehen.

Als ich so auf dem Piazza del Duomo stand, schossen tausend neue Eindrücke durch meinen Kopf. Kreativität entfachte sich wie eine Kettenreaktion – ich sah Dinge wieder in satten Farben und nahm meine Umgebung wieder bewusst wahr. Ich fühlte mich unbesiegbar. Ich fühlte mich wieder – lebendig. Keine Grenzen. Keine Grenzen. Keine Grenzen.

Geht es euch auch so? Erlebt ihr ähnliche Impressionen, wenn ihr verreist? Wenn ja, dann bucht euer nächstes Ticket. Fast egal wohin. Allein die Gewissheit, dass es bald wieder in die Ferne geht, wird euch ein klein wenig lebendiger wirken lassen.